Was könnte durch den Öl-Preis ausgelöst werden und wie bereite ich mich vor?

Wir erleben gerade schwierige geopolitische  Zeiten und eine ziemlich wilde Zeit an den Börsen.

Der Öl-Preis ist nach der Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran, mal schnell 60-80% angestiegen.

Obwohl die Märkte es feierten,  als der Iran sagte, dass er die Durchfahrt für die Dauer des Waffenstillstandes freigeben würde (was gerade 2-4 Wochen sind) , kam der Preis um nur ein Viertel zurück. Außerdem nahm der Iran die Zusage wenige Stunden später zurück, weil die USA auf ihre Blockade der iranischen Häfen bestanden.

Inzwischen wird berichtet, dass iranische Unterhändler auf dem Weg nach Pakistan seien, um die Verhandlungen fortzuführen.

Wir sehen also eine ziemlich verzwickte Lage, aber nicht zum 1. Mal.


Welche Folgen hatten Öl-Preis Schocks in der Vergangenheit?

Ich habe alle unten angeführten Schocks selbst miterlebt und schätze die ersten beiden (1973/1979) am gravierendsten ein.

Obwohl damals die meisten Leute noch mit Kohle und Holz heizten und relativ wenige Autos fuhren, sorgte das für einen dramatischen Stillstand in der Wirtschaft und für exorbitant ansteigende Zinsen und Preise.

  • 1970er Jahre: Zu Beginn der 1970er Jahre (1970) waren in der Bundesrepublik Deutschland rund 15,1 Millionen Pkw zugelassen. Im Jahr 1975 stieg diese Zahl bereits auf rund 19,8 Millionen Personenkraftwagen.
  • Heute: Zum 1. Januar 2024 waren in Deutschland rund 49,1 Millionen Pkw zugelassen. Zum 1. Januar 2025 stieg der Bestand laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) weiter an.

Zusammenfassende Entwicklung:
Die Motorisierungswelle führte von ca. 15 Millionen Pkw im Jahr 1970 zu einem stetigen Anstieg, sodass heute fast 50 Millionen Autos auf deutschen Straßen zugelassen sind. Während 1970 etwa 230 Autos auf 1.000 Einwohner kamen, ist die Dichte heute deutlich höher
Wenn man diese Statistik betrachtet, wird  einem vermutlich klar werden, dass die Auswirkungen heute noch deutlich dramatischer sein könnten, zumal die Abhängigkeit zu einem PKW für Einzelpersonen, deutlich höher liegt wie damals.

In unserem Dorf hatten z.B. nur Geschäftsleute einen PKW, alle anderen waren mit Traktor, Moped und meist mit dem Fahrrad unterwegs. In der Krise gab es keinen Sprit mehr an den Tankstellen und alle Industriebetriebe, Transport- und Bauunternehmen, kamen zum Erliegen. Kann man sich fast nicht vorstellen, aber es war wirklich so, dass überall die Erwachsenen „rumlungerten“ , weil es nichts zu tun gab.


Wie groß ist der Öl-Schock heute?

Die Internationale Energie Agentur (IEA) beziffert den Ausfall an ÖL größer, als die vergangenen Öl-Schocks zusammen, wie die nachfolgende Tabelle zeigt.
Wenn das keine Auswirkungen auf die Wirtschaft, Zinsen und die Inflation haben soll, dann müsste eigentlich ein Wunder geschehen, denn in ALLEN früheren Fällen stieg die Inflation dramatisch an und ich kann mich gut an Zinsen/Inflation  im zweistelligen Bereich (bis 14%) erinnern.

Was kann man als Anleger, Trader, Investor tun?

Ich kann aufgrund meiner eigenen Erfahrungen nur für mich schreiben und lasse es ja immer wieder durchblitzen, wie ich vorgehe. Dabei ist natürlich das Gesamtbild und vor allem das wichtig, was ich persönlich erwarte.

Also was erwarte ich?

Erfahrungsgemäß treffen die wirklich gravierenden Folgen mit einer gewissen Verzögerung an den Märkten ein.

Am schnellsten natürlich wie gewohnt an den Tankstellen, wo die Preise schon steigen und der Sprit bereits teuer verkauft wird, wenn noch Millionen Barrel „alter Sprit“ (also Sprit, der durch die Öl-Firmen vor Monaten billig eingekauft wurde) oder Heizöl, sofort auf Rekordwerte ansteigen und nicht mehr sinken. Das ist für die Öl-Firmen natürlich eine tolle Marge, die sie hier erzielen und nicht umsonst sind diese Aktien deutlich angestiegen.

Aber weltweit, auch in Deutschland, sind alle Menschen und natürlich alle Transportfirmen, die auf ein Fahrzeug angewiesen sind, sowohl alle Fluggesellschaften , direkt und sofort betroffen. Die Folge, Transportkosten steigen und damit werden, mit etwas Verzögerung auch die Preise steigen. Viele Fluggesellschaften haben ihr Streckennetz drastisch reduziert, seitdem das Kerosin sich preislich verdoppelt hat.

Alle anderen Produkte, wie Gase, Dünger, Spezialöle usw. werden bzw. sind  ebenfalls knapp, was steigende Preis nach sich ziehen wird. Preise die den Verbraucher treffen und die Inflation anheizen.

Deutschland will ab Mai die Steuer auf alle Benzinarten senken, was ein easy to do ist, da die Steuer zusammen mit steigenden Preisen ja exorbitant angestiegen ist, da sich die prozentuale Steuer ja auf einen höheren Preis bezieht. Da lässt es sich „leicht“ Steuergeschenke machen. Nicht vergessen, dass der Staat zudem die Tabaksteuererhöhung vorzieht, so dass die Einnahmen eher steigen als fallen.

Wenn die Inflation steigt, steigen also auch die Steuereinnahmen und so ist die Inflation oftmals ein durch die Politik begrüßtes Ereignis, weil man sich besser „entschulden“ kann. Aufgrund der bereits bestehenden Schulden-Klemme, funktioniert das aber nicht, denn man braucht dringend frisches Geld, das aber nur zu steigenden Zinsen zu haben ist, was ich immer wieder betone.


Aus all diesen Gründen im Gesamtpaket, erwarte ich eine Art von  Rezessionsschock, sobald die Inflation , die höheren Preise und alles was ich zuvor erwähnt habe, beim Verbraucher eintrifft.


Ich „hoffe“ dass die Aktienmärkte dann in einer ersten Panikattacke einbrechen!


In meiner Gruppe auf Facebook schreibe ich schon seit 2025 darüber, dass ich davon ausgehe, dass der Wirtschaftszyklus temporär endet und die Märkte in eine Korrektur oder sogar einen Crash erleben.


Die letzte Chance meines Lebens

Diese Möglichkeit einer großen Korrektur steigt aktuell immens an und so bereite ich mich seit längerem darauf vor und baue Liquidität auf. Mir ist nämlich bewusst, dass es solche Chancen nicht sehr oft gibt.
1973/79 usw. war ich ein junger Kerl, heute bin ich 50 Jahre älter und mir ist klar, dass dies die letzte gewaltige Chance an den Märkten für mich sein wird.
Bist Du jünger, kannst Du vielleicht noch eine weitere solche Chance, höchstens vielleicht sogar noch eine zweite erleben.
Deshalb rate ich, diese erste Chance schon zu nutzen, falls bis zur nächsten Chance wieder weitere 50 Jahre vergehen.

Wenn eine Rezessionsschock eintritt oder ein Markteinbruch aus anderen Gründen erfolgt (Black Swan), ist es meiner Meinung nach wichtig handlungsfähig zu sein.

Handlungsfähig zu sein bedeutet, Liquidität zu besitzen, mit der ich in den abgestürzten Markt einsteigen kann. Cash ist dann wirklich King! Ich halte also Liquidität im Geldmarkt, wo ich aktuell rund 2,5% erhalte und von wo ich das Geld schnellstmöglich abrufen kann.

Sektoren-, Branchen- oder andere Spezial-ETF´s werde ich zu gegebener Zeit ebenfalls  verkaufen und in Liquidität umschichten.

Diese Liquidität baue ich also seit Monaten immer weiter auf, so wie ich es wöchentlich in meiner Facebook Gruppe auch schreibe, während ich zusätzlich Gewinne aus Einzelaktien ebenfalls in Liquidität oder in sehr breit streuende ETF´s ( größer als der normale MSCI World) gebe. Siehe Podcast 95 auf YouTube.

Diese „breitstreuenden ETF´s“ sind letztendlich die einzigen Werte, die ich vor einem Crash NICHT verkaufen werde.

Wie handle ich in solchen Zeiten?

Vor allem habe ich meine Positionsgröße reduziert, da man in solch volatilen und vor allem durch Mediengeschwätz verunsichernde Meldungen, immer ein erhöhtes Risiko hat, von Trump´s Geblubbere ganz zu schweigen.

Dann habe ich meinen Swing-Trade Horizont etwas reduziert und ziele nicht mehr auf 100% Rendite oder mehr ab, sondern beendet Swings auch früher, besonders wenn das Momentum verloren geht und meine Indikatoren eine Ausstiegssuche anmelden.

Die Gefahr ist einfach zu hoch, dass man bei 20%, 30% oder 50% aufgrund der Volatilität, auf dem falschen Fuß erwischt wird.

Natürlich benötigte man also zumindest ein gewisses charttechnisches Verständnis dafür und vor allem ein geprüftes Regelwerk.

Übrigens findet man am besten zu seiner persönlichen Strategie und dem persönlichen Regelwerk, durch Führen eines Trading-Tagebuches, was ich dringend empfehle.

Darin kann man u.a. seine Emotionen, seine Stimmung, aber auch vor allem das Einhalten der Regeln und einen Screenshot des Charts dokumentieren. So erkennt man schnell, wo man wieder zu hastig war oder die Regeln zu verletzen drohte. Aber das ist ein so großes Thema, dass ich es hier nicht weiter ausführen möchte.


Wie steige ich aus, wie steige ich ein?

Wie schon erwähnt, nutze ich in hochvolatilen Zeiten ein strengeres Regelwerk als sonst und steige mit Gewinnmitnahmen (manchmal auch Teil-Gewinnmitnahmen) aus, sobald Indikator-Signale oder charttechnische Veränderungen, zur Ausstiegssuche generiert werden.

Ich setze Stopps, bzw. sogenannte Haltelinien unterhalb der Swings. Werden diese gerissen, ist das ein Zeichen dafür, dass der Trend vor einer Umkehr steht und ich steige aus.


Für die Einstiege habe ich ebenfalls ein oder besser gesagt mehrere Regelwerke, die erfüllt sein müssen.

Die Einstiege sind für  volatile Zeiten etwas anderes „gestrickt“ als zu normalen Zeiten, aber ich benutze IMMER ein Regelwerk.

Das können Momentum getriebene Signale, Breakout- und Pullback Regelwerke sein, wobei ich ich fast durchweg Regelwerke benutze, die ich aufgrund meiner Erfahrung selbst gebastelt und im Laufe der Zeit immer wieder den Märkten angepasst habe. Das ist wichtig, denn die Märkte verändern sich permanent und man selbst muss sich mit verändern, sonst wird das nichts.

Sollten die Märkte also stark korrigieren oder sogar crashen, werde ich auch dann ausschließlich per Regelwerk einsteigen, was in der Regel verhindert, dass eine weitere Welle abwärts folgen wird. Ein zu früher Einstieg wäre in solchen Fällen fatal.

Fazit: Ich steige ohne Erfüllung eines Regelwerkes weder in einen Wert ein, noch aus einem Wert aus!

Natürlich nutze ich auch ein Risikomanagement, das logischerweise im Regelwerk integriert ist. Das hat mich in Jahrzehnten an der Börse vor so manchem Problem bewahrt und Du kannst mir glauben, Probleme gibt es ohne Regelwerk, ohne eine gewisse Kenntnis genügend.

Ein riesiger Vorteil stellt es dar, wenn Du völlig unabhängig von irgendwelchen Labertaschen, Medien und Influencern Deinen Weg an den Finanzmärkten gehen kannst. Das macht Dich wirklich frei! 

Aber um das zu erreichen, musst Du Dich damit beschäftigen und Dich in die Sache vertiefen, bis Du die Strategie und das Regelwerk gefunden oder entwickelt hast, die wirklich zu Dir passen und die vor allem dazu beitragen, Verluste zu reduzieren.

Anschließend musst Du „nur“ noch einen Weg finden, wie Du Deine Emotionen im Griff behältst, damit Du nicht wie die Masse, ein Fähnchen im Sturmwind der Börse wirst.

Letztendlich bist Du vor allem dann Dein größter Feind, wenn Du Dein Regelwerk missachtest und denkst Ausnahmen machen zu können. Gerade in solchen volatilen Zeiten holt einem die Realität dann am schnellsten ein.


Abschließend möchte ich Dich noch an ein paar Regeln erinnern, über die es nachzudenken lohnt.

Buffett Regel:

  1. Regel: vermeide (verringere)  Verluste.
  2. Regel: halte Dich immer an Regel 1

Kissigs Kloogschieterei:

Die kurzfristigen Stimmungsschwankungen an der Börse sind keine verlässliche Basis zur Erzielung langfristiger Gewinne. Sie blenden bei Sonnenschein oft aus, dass die nächste Nacht ganz sicher kommt. Auch bei dieser Party. Aber du? Du bist doch sicherlich schon vorbereitet auf die Inflationsdruckbetankung? Sicher…


JoTrader Regel:

Egal wie hoch der Hype um den Handel ist, wenn er nicht zu Deiner Methode/Deinem Stil/Deinem Regelwerk passt, lass ihn einfach liegen. Es wird jeden Tag noch viele passende Trades geben.


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Vielen Dank


In diesem Sinne, viel Erfolg und weise Entscheidungen

JoTrader

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